Mit Nadel und Faden an einem Stück Stoff zu arbeiten, und dabei schöne Muster zu zaubern, ist zumindest nicht einfach. Kunst oder nicht Kunst, diese Frage stellt sich aber schon, wenn es um Stickereien geht. Die Gobelins, die die meisten Menschen kennen, sind vorgedruckt und folglich sehr einfach mit immer dem gleichen Stich, nur mit wechselnden Farben, zu arbeiten. Man sitzt sehr lange und muss auch genau arbeiten, doch wirkliche Kunst ist das nicht.

Anders sieht das mit kunstvollen Stickereien aus, die auf Trachten und anderen Kleidungsstücken zu finden sind. Diese werden mit feinstem Garn und nach alter Tradition angefertigt; zum Teil mit Techniken, die nicht jeder kennt. Da ist das Dirndl, das handgeschneidert wurde, und nun mit tollen Stickarbeiten versehen werden soll, oder auch Tischdecken, die mit farbigem Garn höchst fein nachgebessert werden, damit nicht das blanke Tuch auf dem Tisch liegt, sondern ein exquisiter Hingucker. Natürlich gibt es auch Stoffe, die maschinell bestickt werden, doch das merkt der Fachmann auf einen Blick.

Die Kunst ist es, Figuren und Motive zu sticken, die aussehen, als wären sie gemalt. Es ist eine schlichte Handarbeit – auf der einen Seite. Auf der anderen Seite gehören zu dieser alten Kunst auch Vorstellungskraft, die richtige Technik und ein gutes Auge. Richtig gute, handgemachte Stickarbeiten sind nicht billig, nicht wegen des Garns alleine, sondern vor allem wegen den unzähligen Arbeitsstunden, die damit verbunden sind, die Arbeit zu erledigen. Eine gute Fachkraft zu finden, die eben mit Trachten zum Beispiel wirklich kompetente Arbeit leisten kann, ist nicht so leicht, wie man sich auf den ersten Blick denken mag. Wahre Kunst in Stickereien ist selten geworden.

date10 Jun
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